(Vormerkung: Wir schrieben am 21.08.2011, dass wir diesen Blog einschlagen lassen. Wir haben uns vorsichtig neupositioniert mit der Auseinandersetzung um Prinovis Nürnberg und dann noch einmal am 28.10.2011. Wir lassen die Seiten zurückhaltend weiterlaufen, was die Menge meint. Von den Inhalten konzentrieren wir uns auf Themen.)
Dieser Blog wird jetzt einschlafen. Wir wollten die Tarifrunde in der Druckindustrie und den Zeitungsredakteuren begleiten. Die Tarifauseinandersetzung hat die Arbeitgeberangriffe abgewehrt. Mit dem Ende der Auseinandersetzung endet auch diese Seite. Wir möchten den Usern/innen danken, dass sie auf uns geklickt haben. Wir waren hoffentlich schnell. Den anderen Blogs, die im Laufe der Zeit entstanden sind möchten wir zurufen: Ihr SEIT Klasse!
Die Tarifrunde in der Druckindustrie endete mit dem Erfolg der Verlängerung des MTV und im Gegenzug einer geringen Erhöhung der Löhne über 33 Monate. Eine weitere betriebliche Öffnung konnten die Arbeitgeber über den Tarifvertrag nicht erreichen. Man muss verfolgen, ob sie sich das jetzt über Aufspaltungen, Ausgliederungen, Kooperationen oder OT-Mitgliedschaft holen. So klar erkennbar ist es noch nicht. Mit Blick auf den Tiefdruck muss man allerdings sagen, dass hier eine strategische Neuausrichtung gefordert sein dürfte, hier ist eine einheitliche tarifliche Normierung erledigt. Auf der anderen Seite hat der soziale Frieden für die Arbeitgeber auch einen Stellenwert “an sich”. An der Optimierung der Prozesse und Arbeitskostenreduzierauchung wird trotzdem weiter gearbeitet, dass ergibt sich aus dem Wesen, dass die Maschinen keinen Gewinn abwerfen, wenn nicht die Menschen ihre Zeit daran verbringen. In verschiedenen Zeitungsverlagen stehen Maschineninvestitionen an. Man wird sehen, ob dieser Prozess zu einer weiteren Konsolidierung im Zeitungsdruck führt – von Grundsatz ja – und was es an Folgen für die Arbeitsbeziehungen konkret bedeuten wird.
In der Zeitungsredakteursrunde wurden die Angriffe der Verleger auch weitestgehend abgewehrt. Es war kein Ergebnis wie 2004, wo gestreikt wurde und über den MTV-Abschluss noch Abzüge für die Redakteure umgesetzt wurden. Es besteht die Gefahr, dass die Gewerkschaften wieder aus dem betrieblichen Alltag in den Redaktionen verdrängt werden. Ob sie den Platzgewinn erschließen, ist offen wie eher unwahrscheinlich.
Die regionalen Angestellten-Tarifrunden laufen weiter, sie werden aber das Ergebnis der Druckindustrie vom Grundsatz übernehmen, die Besonderheiten im Arbeitgeberlager wie bei ver.di blieben bestehen. Es wird weiterhin regionale Probleme geben wie sich das z.B. in Niedersachsen-Bremen oder Rheinland-Pfalz/Saar zeigt. Die Tarifverhandlungen Zeitschriftenredakteure sind wieder auf die Tagesordnung gehoben worden.
Mit Rückblick kann man sagen, dass dies auch eine traditionelle Tarifrunde war, wie sie geführt wurde. Im Angestelltenbereich hat sich nichts geändert, Leiharbeit war nur ein moralisches Thema, keine Strategie. Wie 2004 ging es um den Tarif, um den Umgang mit den Redaktionen, betont wurde die Qualität des Journalismus, weil es für die Mobilsierung wichtig war. Mit mit dem Ende der Druck- und der Tageszeitungsredakteure ist auch der Zweck dieses Blogs beendet. Wir stellen die Berichterstattung ein.
Der Blog war eine temporäre Plattform
Die Plattform http://mtv2011.wordpress.com war eine temporäre, die anlässlich der Tarifrunde 2011 in den Printmedien geschaffen wurde. Sie sollte die Web-Berichterstattung von ver.di zur Tarifrunde unterstützen und es sollten Erfahrungen für die mobile (Smartphone) Produktion gewonnen werden. Die meisten Texte auf der Seite wurden darüber geschrieben und veröffentlicht. Das ist ein bestechendes Produktionskonzept. ver.di ist nicht in der Lage, mobile Seiten anzubieten, noch hat sie ein modernes Produktionskonzept was einen mobilen Zugang betrifft, von der Seitenproduktion einmal ganz abgesehen (der aktuelle Web-Relaunch von verdi.de macht das starre Konzept deutlich). Wir saßen teilweise den Arbeitgebern gegenüber und haben aus den Gesprächen Texte Online gestellt – dass war schon amüsant wie lehrreich. Unterstellt man, dass das mobile Internet (einschließkich Tablet PC) mit die bestimmende Tageskommunikation im Netz zu werden scheint, liegt hier für ver.di eine große Herausforderung.
Selbstorganisierte Blogs ergänzen Web-Arbeit
Auch andere ver.di-Strukturen und betriebliche Träger haben sich dafür entschieden, ihre Web-Öffentlichkeitsarbeit selber in die Hand zu nehmen, hier vor allem in Form von Blogs auf wordpress. Wir haben uns immer darum bemüht, auf diese Angebote hinzuweisen. Dank der nicht erwarteten Reichweite unserer Seiten haben wir hoffentlich auch ihnen geholfen, dass sie bekannter wurden. Wir möchten uns bei ihnen bedanken, dass sie auch uns verlinkt haben. Aus den Zugriffen ( vor allem aus Stuttgart
) wissen wir, wie sie uns geholfen haben. Auch sie dürften die Erfahrung gemacht haben: Man kann es selber, man ist schnell und man nimmt seine Verantwortung für die Betroffenen wahr, in dem man ihnen ein öffentliches Angebot schafft. Auf den ver.di-Servern wäre so etwas nicht möglich gewesen. Restriktionen, Umständlichkeit und Schlaumeierei würden einfach verhindern, dass man tagesaktuell auf einem ver.di-Angebot aktionsbezogen etwas anbietet und zur Debatte stellt. Es ist bezeichnend, dass in der Höchstphase der Tarifrunde Zeitungsredakteure der Web-Server “renoviert” wurde und für den ver.di-Auftritt keine Alternative überlegt wurde. Einzelne Seiten sind bis heute abgesoffen. Das ver.di uns ignoriert hat und nicht auf unseren Blog verlinkt hat, ist nicht weiter von Bedeutung, in der Schlussphase änderte man seine Haltung. In der Summe werden die Blogs ver.di viele Kontakte abgenommen haben.
Web-Strategie von ver.di muss neu konzipiert werden
Nicht gerechnet haben wir mit dem Versagen der Web-Arbeit von ver.di zu dieser Tarifrunde “Printmedien”. Die Web-Seiten der dju in ver.di waren inaktuell und hatten das aktuelle Geschehen nicht im Blick. Der inhaltliche Ansatz von ver.di, die virtuelle Öffentlichkeitsarbeit über die Web-Seite “Tarifrunde Print” zu organisieren, scheiterte vollständig. Andere, wie der DJV, haben über das betriebliche Geschehen informiert und darüber auch gestaltend eingegriffen, in dem sie tägliche pdf-Dokumente verschickten. ver.di hat es hier und da regional gemacht, aber es war kein Konzept, es war Zufall. Teilweise wurde die Seitenproduktion eingestellt. Die Entwicklung der Zugriffe auf die dju-Seiten wie auf die Web-Seite “Tarifrunde Print” sind in der Summe und zum Vergleich zum tariffreien Vorjahr in den Keller gegangen. Das die Zugriffe während so einer wichtigen Tarifrunde Journalisten nicht gestiegen, sondern gesunken sind– der einfachste Beleg für ein falsches Konzept. Die zentrale Web-Seite von ver.di in der Druckindustrie (druck.verdi.de) ist zu einem Monstrum geworden, mit dem man nicht mehr tagesaktuell agieren kann. Das hat diese Tarifrunde deutlich gemacht. Die Zugriffe auf diese Seite gehen täglich bis in die tausende, aber dieses Potential wurde nicht genutzt. Man hoffte auf die Web-Seite “Tarifrunde Print”, sie wurde aber nicht angenommen. Zeitweilig klicken die Kollegen mehr auf die Lohntabelle der Papierverarbeitung, denn auf die der Druckindustrie bzw. die Zugriffe auf die Preiseausweise sind weit-weit-weit vor dem Tarifgeschehen gewesen. Im Prinzip waren auf der zentralen Seite von ver.di (druck.verdi.de) die “Tarifinfos” der Bringer, auf der “Tarifrunde Print” die Fotogalerie und die Liste der Streikbetriebe. Im Vergleich mit anderen Runden ist “Bringer” hier auch noch relativ. Alle Zahlen auf die Tarifinfos sind weit unter denen der vergangenen Jahre in den Tarifrunden.
Soziale Netzwerke im Arbeitskampf
Die Sensation und Plattform in dieser Drucktarifrunde war aber die Facebook-Gruppe “Wir machen Druck”. Auch wenn die Voraussetzung ein Facebook-Account ist und somit wenigsten zwei Hürden bestehen (Internet und Facebook), war es doch eine Informationsplattform, auf der auch grundsätzlich diskutiert wurde. Die Form zwingt zur Kürze und nur einige wollten sich nicht kurzfassen. Man kann nur hoffen, dass diese Gruppe auch künftig mitmischt und sich weitere User hier einfinden, um über diese Plattform Informationen zu verbreiten und den Meinungsaustausch zu führen. ver.di hatte für diese Tarifrunde auch einen Facebook-Account, aber der konnte sich leider nicht durchsetzen. Die Twitter-Aktivitäten von ver.di in der Druckindustrie waren sehr gut. Wenn auch nur eine Erfahrung mehr, aber das gezwitscher ist eine Form von “Marketing”, dass noch einer gewerkschaftlichen Etablierung bedarf. ver.di hat hier einen hilfreichen Beitrag geleistet. Das gezwitscher über eine Streikversammlung von Redakteuren in Stuttgart haben wir begeistert erwähnt. Das war vorbildlich, hier wird Nutzwert für andere geschaffen.
ver.di-Mitgliedernetz ist ein Flop
Das ver.di-Mitgliedernetz ist ein vollständiger Flop geworden – auch in dieser Tarifrunde. Trotz monatelanger Bewerbung über die zentrale Web-Seite (druck.verdi.de) kann man von keiner ernsthaften Debatte reden – und auch nicht von einer der betrieblichen Träger. Das sich die ver.di-Online-Redaktion stark daran beteiligte, wirft die Frage auf, was das soll. Die reden und diskutrieren wollten, haben sich allerdings in der Facebook-Gruppe “Wir machen Druck” oder “Redakteure im Streik” und anderen eingefunden. Der Zugang ist einfach und wird zu einem allgemeinen Kommunikationsportal wie Handy oder Telefon. Da kann sich ver.di noch so wehren oder coole Angebote machen, sie sind nicht die Kommunikationsplattform für gewerkschaftlich engagierte. Es ist bezeichnend, dass die Verantwortlichen sich geweigert haben, die Facebook-Gruppe “Wir machen Druck” auf ihren Seiten zu bewerben. Das hat inhaltliche Gründe und keine formalen, denn der Blog “Medienmoral NRW” z.B. wird promotet. Das Angebot zur Debatte ist das, was die User/innen erwarten. Es muss einfach und spontan möglich sein. Der DJV hat in der Tarifrunde Redakteure damit gute Erfahrungen gemacht, wie das Diskussionmöglichkeit auf den zentralen Seiten gezeigt hat. Für ver.di scheint die öffentliche Debatte “Teufelszeugs”, sehen über nur “bashing”. Es wird kein Weg daran vorbeiführen, ohne öffentliche “virtuelle” Debatte wird man irgendwann noch nicht einmal mehr die Überzeugungsarbeit organisieren können, das ist allerdings nur eine Frage der Glaubwürdigkeit.
Wer wir sind?
Wir, dass waren drei Personen, die aus verschiedenen Bereichen der Printmedien, aus verschiedenen Regionen kommen, die Infos zusammen getragen und produziert haben. Insgesamt haben wir fast 1.000 Meldungen geschrieben. Die meisten Zugriffe hatte die Meldung über die Streiks in den drei Prinovis-Standorten. Ihm folgte der Text über das erste Lohnangebot des bvdm. Unser geredete über das “Warum diese Seiten” liegt auf Platz drei, was für das Interesse an den Seiten spricht. Wir haben zuerst unter einem Namen veröffentlicht, dass hat sich im Laufe der Zeit als nicht richtig erwiesen. Wir sahen es an den Server-Anfragen. Wir haben unter Nicknamen geschrieben. Das ist richtig, macht es leicht, Texte zu schreiben und hilft, dass man sich mit dem Inhalt beschäftigt. Weder waren wir eine offizielle ver.di-Seite noch mussten wir auf ver.di-Kommunikationsstrukturen achten – obwohl es uns wichtig war. Der Nachteil von Anonymität ist klar, die Glaubwürdigkeit und Akzeptanz leidet darunter. Damit muss man leben können. Unser Konzept war ursprünglich nur eine leicht eingekürzte Version der ver.di-Berichterstattung auf druck.verdi.de. Durch das Versagen von ver.di im Web änderte sich für uns streckenweise der Charakter der Seiten, was nicht geplant war – wir haben darüber immer auf unserer Seite “Warum diese Seite” berichtet. Im Laufe der Zeit haben wir uns dann auch getraut, eine vorsichtige Haltung zu den Bewegungen einzunehmen, ob nun die Lage der Druckindustrie, die betrieblichen Auseinandersetzungen oder die sich herausbildenden Meinungen zu den Verhandlungsständen.
Unsere Zugriffe gingen in die zehntausende, dass ist natürlich für uns ein Erfolg. Wir hatten tagesaktuell im Durchschnitt hundert Besuche erwartet, dass wurde komplett überschritten. Im Laufe der Zeit haben sich die Zugriffe auf die Inhalte verlagert, weniger auf die einzelnen Infos, die ja nur Bruchstücke waren.
Wir werden jetzt diese Angebot so stehen lassen wie es ist. Es ist eine unsortierte Reflektion einer Tarifauseinandersetzung in Stichworten und eben ein mobiler Versuch. Wir waren hoffentlich eine kleine Bereicherung und die Kritiker mögen unsere kleine Fehler verzeihen.
Was ist mit den Angestellten?
Das mit den Angestellte sehe ich kritisch, nicht aus praktischer Sicht, aber aus grundsätzlichen Erwägungen. Praktisch wird das Druckergebnis für die Angestellten übernommen. In Niedersachsen-Bremen wird man seine “Regionalisierung” weiterführen, was ich aus Arbeitgebersicht völlig überzogen finde. In NRW warten wir mal ab. Grundsätzlich: Wir haben unser Standbein im gewerblichen Bereich, nicht im Angestelltenbereich. Hier sind Organisationspotentiale. Während die Druckindsutrie kontinuierlich Personal verliert, ist die Zeitungswirtschaft stabil bis leicht sinkend. Neben den Angestellten kommt noch der Teil prekäre Arbeitsbeziehungen, sprich die Kollegen/innen, die ausgegliedert wurden oder sind und bei denen der Abstand zum Tarifvertrag zu nimmt bis zu den Leiharbeitnehmer/innnen – hier aber insbesondere in der Druckindsutrie.